Armin Schram, 1929 – 2015

Mein Onkel Armin wurde 1929 in Prag geboren; in einer Stadt und einer Zeit, in der Deutsche und Juden durch die Sprache und den besonderen Ort noch vereint waren. Der Wahnsinn der folgenden Jahre hat in der Familie und damit auch in ihm tiefe Wunden hinterlassen, deren Wirkungen ich bis heute spüre.
Armin hat sein Schicksal in die Hand genommen. Mit 24 machte er in Wien den Doktor der Chemie und beteiligt sich am Wiederaufbau. Sein Wirken hat Menschen, Unternehmen, Politik und zuletzt die Forschung in Europa und Amerika verändert. Er wurde einer der erfolgreichsten Manager Deutschlands und war dabei im Herzen ein geradliniger, aufrichtiger, das Echte suchender Mensch.
Als leidenschaftlicher Segler und Jäger hat er jeden geschätzt, der diese Leidenschaften mit ihm geteilt hat. Es war stets zu spüren, wie er im Wald oder auf dem Wasser dem Leben nahe war. Wann immer unter Jägern oder Seglern das Wort auf ihn zu sprechen kommt, so schwingt ein Unterton von Anerkennung und Respekt mit. All das macht ihn mir zum Vorbild. Wenn ich neben ihm stand, wusste ich, wie ich einmal sein würde und der Gedanke hat mir immer gefallen. Ich war und bin stolz auf meinen Onkel. Nun bin ich der Letzte mit seinem Namen.
Gemeinsam mit meiner Mutter beginnt das Abschiednehmen von der irdischen Hülle und das Tragen ins Herz.
Was glänzt, ist für den Augenblick geboren. Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren. (JWvG)

Video-Release „MeTube“

„Carmen“ von Georges Bizet

Welches ist das am schnellsten wachsende Medium in der klassischen Musik?

Wie in allen anderen Lebensbereichen hat das Video auch bei der E-Musik längst eine zentrale Bedeutung erlangt. Kaum ein Besucher, der nicht vor einem Konzert auf Videoportalen nach dem Musiker sucht und sich ansieht, was er zu erwarten hat. In der Klassik findet er dort allerdings meist nicht mehr, als einen mehr oder weniger gut gemachten Live-Mitschnitt. Die wahren Möglichkeiten des Mediums Video als selbständige, machtvolle und vielseitige Erzählform werden hier so gut wie nie ausgeschöpft. Weiterlesen

Platée an der Neuköllner Oper Berlin

Premiere am 22. November 2012

In einer auseinander driftenden Gesellschaft braucht es nicht viel Vorstellungskraft, um ein zeitgemäßes Bild von selbstbezogenen, intriganten Göttern zu haben, die Ihre Macht zur Befriedigung der eigenen Gelüste benützen, statt dem großen Ganzen zu dienen und der „Erhebung der Welt“ zu einem besseren Ort verpflichtet zu sein.

Man trifft sie als Menschen an den Bars der angesagten Clubs und in von Drogenrausch und sexuellen Exzessen  triefenden Hinterzimmern moderner Luxus-Rückzugsorte.

So trifft man sie auch in der neuen Produktion der Platée nach Rameau an der Neuköllner Oper Berlin. Weiterlesen

Der Durchzug durchs Rote Meer

Zur Zürcher Erstaufführung von Hummels

„Der Durchzug durchs Rote Meer“

Sonntag 4. November 2012, 17 Uhr

Neumünsterkirche Zürich/Schweiz

Johann Nepomuk Hummel. So mancher nimmt diesen Musiker und Komponisten nur am Rande wahr. Sei es, weil er nicht zur „Wiener Klassik“ gezählt wird, obwohl er in dieser Zeit – gefördert von Mozart und Salieri, Nachfolger Haydns in am Esterház’schen Hof -  mitten im Geschehen war. Sei es auch, weil seine geistlichen Werke – natürlich unverdienterweise – nicht die große Verbreitung in den Konzertsälen und Kirchen von heute finden, wie die Messen Mozarts und  die Oratorien Haydns. Weiterlesen